Wie finde ich die passende Uni für mein Auslandssemester?

Ein oder zwei Semester lang an einer ausländischen Universität zu studieren ist immer eine wertvolle Erfahrung, egal wo man letztendlich studiert. Wenn man aber die Möglichkeiten für akademisches und persönliches Wachstum maximieren möchte, sollte man diese Entscheidung wohlüberlegt treffen und sich schon einige Monate vor der Entscheidung gründlich informieren. Fast jeder Student hat ein oder zwei Traumziele oder Wunschuniversitäten, wo er gerne das Auslandssemester verbringen möchte. Die Partneruniversitäten der eigenen Uni sind oft die naheliegendsten Kandidaten. Auch fehlt es nicht an Erfahrungsberichten und Empfehlungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis und man erfährt so über die besten und beliebtesten Universitätsstädte im Ausland. Andere wiederum suchen bewusst nach weniger ausgetretenen Pfaden und entscheiden sich für ein relativ unbekanntes Ziel. Glücklicherweise gibt es heute zahlreiche Ressourcen, um den richtigen Ort für das Auslandssemester auszuwählen.

Internationale Uni-Rankings

Rankings sollten die Entscheidung nur zu einem Teil mit beeinflussen, aber es gibt gute Gründe, diese als Ausgangspunkt für die eigene Recherche zu verwenden. Das Times Higher Education Ranking und das sogenannte Shanghai-Ranking geben die verlässlichsten Aufschlüsse über die Qualität der Lehre, die Forschung, Innovation und die globale Perspektive der weltweit besten Universitäten. Für eine erstklassige akademische Erfahrung sind die im Ranking führenden Universitäten die beste Wahl. Die besten Universitäten sind dort je nach Studienrichtung aufgelistet. Mitunter eröffnet der Besuch einer Eliteuniversität darüber hinaus Karrierechancen, die anderweitig schlichtweg nicht möglich wären. Wenn man nach dem Abschluss des Studiums ins Land der Gastuniversität zurückkehren und arbeiten möchte, ist das nicht immer einfach. Potenzielle Arbeitgeber bevorzugen oft Absolventen der heimischen Eliteuniversitäten und sind eher dazu geneigt, Absolventen einer Elite-Uni zu einem Arbeitsvisa zu verhelfen.

Die Rankings geben auch Aufschlüsse über einen weiteren wichtigen Faktor, nämlich die internationale Ausrichtung der Universität. Als ausländische Student möchte man sich möglichst gut in die fremde Kultur integrieren. Das ist sehr viel einfacher, wenn bereits eine große Anzahl an ausländischen Studenten die Universität besucht, denn das verspricht eine weltoffene, tolerante und multikulturelle Atmosphäre. Hochschulrankings und der internationale Ruf einer Universität sollten aber nicht die alleinige Entscheidungsgrundlage bilden, denn es gilt, darüber hinaus zahlreiche individuelle Bedürfnisse zu beachten.

Studenten sitzen auf der Treppe

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Kosten

Lebenshaltungskosten, Studiengebühren und Finanzierungsmöglichkeiten variieren stark von Land zu Land und an den Universitäten innerhalb eines Landes. Entscheidend dabei ist auch, ob man das Auslandssemester über einen akademischen Austauschdienst organisiert und eine der Partneruniversitäten der eigenen Uni besucht, oder ob man das Auslandssemester selber organisiert hat. In diesem Fall fallen nämlich die vor Ort üblichen Studiengebühren an. Teilnehmer des Erasmus-Programms und Stipendiaten des DAAD genießen dagegen den großen Vorteil, im Ausland keine Studiengebühren zahlen zu müssen.

Die Lebenshaltungskosten sind in westeuropäischen Metropolen wie London oder Paris höher als in Deutschland. In den USA, Kanada und Australien muss man ebenfalls mit höheren Ausgaben für Miete und Lebensmittel rechnen. Osteuropäische Länder sind dagegen allgemein günstiger, mit Ausnahme von Moskau. In Asien sind die Kosten sehr unterschiedlich, westlich geprägte Städte wie Singapur oder Hongkong sind ähnlich kostspielig wie New York, während chinesische Großstädte günstigere Lebenshaltungskosten bieten. Generell muss man in wirtschaftlichen Zentren mit einer angespannten Wohnsituation rechnen. Da sich dort meistens auch die besten Universitäten und Forschungseinrichtungen befinden, sollte man versuchen, einen Kompromiss zwischen der Qualität der akademischen Ausbildung und den Lebenshaltungskosten zu finden. Provinzstädte, die über eine gute Infrastruktur und gute Lehreinrichtungen verfügen und trotzdem nicht zu teuer sind, können eine erschwingliche Alternative zu den Top-Universitäten in den Metropolen sein.

Universitäten, das Bildungsministerium und externe Stiftungen fördern Auslandsaufenthalte mit Stipendien, wobei das Erasmus-Stipendium für Auslandsaufenthalte in der Europäischen Union wohl die verbreitetste Förderung darstellt.

Ein Auslandssemester erfordert vollen Einsatz und ist eine intensive Erfahrung. Dass notwendige Ausgaben finanziell gedeckt sind, ist von großer Bedeutung für einen erfolgreichen Verlauf. Vor der Antragstellung muss die Finanzierung zwar noch nicht vollkommen geklärt sein, sie sollte aber bei der Wahl des Studienortes berücksichtigt werden.

Universitätsgelände

Universitäten können teuer sein

Visa

Die Visabestimmungen für ausländische Studenten sind ebenfalls von Land zu Land verschieden. Innerhalb der Europäischen Union ist die Visumfrage glücklicherweise schon seit langem kein Problem mehr. Bei Visaanträgen für andere Länder werden ganz unterschiedliche Unterlagen verlangt. Generell benötigt man eine Bescheinigung der Heimat-Uni und der Gastuniversität. Dazu kommen eventuell ein ärztliches Attest, Zeugnisse, Nachweise über Sprachkenntnisse und ausreichende Geldmittel sowie eine Visagebühr. Der akademische Austauschdienst oder private Anbieter sind allgemein bei der Visumbeantragung behilflich und deutsche Staatsbürger müssen bei der Visumbeantragung nicht mit allzu großen Hürden rechnen. In der Europäischen Union kann man auch während des Auslandssemesters einer Erwerbstätigkeit nachgehen. Außerhalb der EU ist das nur sehr beschränkt möglich bzw. sollte im Einzelfall bei der Visumbeantragung abgeklärt werden.

Reisepass

Denken Sie an Visa

Zugangsbeschränkungen

Um an einer englischsprachigen Universität als Gaststudent zugelassen zu werden, müssen akademische Leistungen und entsprechende Sprachkenntnisse nachgewiesen werden. Der Nachweis über gute Englischkenntnisse erfolgt meistens über einen kostenpflichtigen TOEFL-Test. Je mehr Ansehen die Universität genießt, umso schwieriger ist es, als Gaststudent dort akzeptiert zu werden. An den amerikanischen Eliteuniversitäten sind die Aufnahmeregelungen besonders kompetitiv und selbst die allerbesten ausländischen Studenten müssen fast schon übermenschliches leisten, um dort eine Chance zu bekommen. Darüber hinaus gibt es oft Quoten die festlegen, wie viele ausländische Studenten in einem jeweiligen Fachgebiet aufgenommen werden können. Es existiert kein allgemeingültiges Rezept, um garantiert an einer ausländischen Universität aufgenommen zu werden. Es ist aber hilfreich, sich die Quoten für Gaststudenten anzuschauen und die weiteren Zugangsbeschränkungen zu beachten.

Eliteuniversitäten sind äußerst selektiv

Eliteuniversitäten sind äußerst selektiv

Persönliche Vorlieben

Bei der Wahl des richtigen Studienortes gibt es aber noch einen ganz anderen, weniger rationalen Faktor, nämlich die persönlichen Interessen und Vorlieben. Meistens haben Studenten wie weiter oben erwähnt eine individuelle Vorliebe für eine bestimmte Stadt oder Region. Selbstverständlich ist auch das Studienfach ein ausschlaggebender Faktor. Wer BWL und Sinologie studiert, wird höchstwahrscheinlich nur in China das Gelernte praktisch anwenden können. Bereits erworbene Sprachkenntnisse auszubauen und anzuwenden ist ebenfalls ein guter Grund, um in einem bestimmten Land zu studieren. Damit das Auslandssemester auf persönlicher Ebene eine Bereicherung darstellt, sollte man die individuellen Interessenschwerpunkte berücksichtigen, denn meistens lernt man in einer Kultur, zu der man eine persönliche Affinität verspürt, auch am besten. Weniger konventionelle Ziele, wie Afrika, Südamerika oder Südostasien können dabei ganz neue Perspektiven für die spätere berufliche Laufbahn und Lebensgestaltung bieten und mit etwas Gespür kann jeder die perfekte Nische für die individuelle akademische Laufbahn finden.

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