Das Erasmus-Programm

Wenn man an als Student an einer europäischen Hochschule oder Universität immatrikuliert ist, kann man mit dem Erasmus-Programm ein oder zwei Semester lang an einer ausländischen Hochschule studieren. Seit dem Jahr 2000 bietet das Programm Erasmus+ noch umfassendere Förderungen für Auslandsaufenthalte zu Studienzwecken und Auslandspraktika. Wenn man an einer deutschen Hochschule, Fachhochschule oder Universität studiert und das erste Studienjahr absolviert hat, kann man mit Erasmus+ ins europäische Ausland aufbrechen. Die Heimat-Uni und die Gasthochschule müssen dazu einen Kooperationsvertrag abgeschlossen haben, der die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen (das sogenannte Learning Agreement) garantiert. Die meisten deutschen Hochschulen verfügen über eine gute Auswahl an solchen Kooperationen und nehmen auch jedes Jahr Gaststudenten aus den jeweiligen Hochschulen im Ausland bei sich auf.

Studenten am Tisch

Erasmus + ermöglicht ein Auslandsstudium

Erasmus+

Selbst wenn man die Sprache des Gastlandes nicht perfekt beherrscht, muss man sich bei einem Auslandssemester mit Erasmus+ nicht allzu große Sorgen darüber machen. Die Vorlesungen an der Gastuniversität sind an ausländische Studenten angepasst und die Dozenten gehen nachsichtig mit den internationalen Studenten um. Es kommt nur selten vor, dass ein Erasmus-Student dem Unterricht nicht folgen kann. Die meisten absolvieren ihre Prüfungen mit Erfolg und behalten ihr Auslandssemester in sehr guter Erinnerung. Damit sprachliche Barrieren weiter abgebaut werden, bietet das Programm seit 2014 auch eine Onlineplattform zum Erlernen der wichtigsten europäischen Sprachen an, den sogenannten Online Linguistic Support. Auf der Plattform müssen Studenten vor der Abreise ihre Sprachkenntnisse testen. Falls der Test schlecht ausfällt, sind aber keine Sanktionen zu befürchten, die Studenten dürfen auf jeden Fall in ihr Auslandssemester starten. Die Plattform bietet auch Online-Sprachkurse zur Vorbereitung auf das Erasmus-Semester an.

Erasmus+ eignet sich für Studenten im Alter von 18 bis 30 Jahren, die eine europäische Staatsbürgerschaft haben, die über eine unbegrenzte Aufenthaltsgenehmigung verfügen oder die als Flüchtling oder Staatenloser anerkannt wurden.

Das Erasmus-Programm ist ab dem zweiten Studienjahr möglich. Es können auch mehrere Auslandsaufenthalte mit Erasmus+ absolviert werden, z.B. während des Bachelor- und während des Masterstudiums.
Die Dauer eines einzelnen Auslandsaufenthaltes kann 3 bis 12 Monate betragen, durchschnittlichen verbringen Studenten 6,3 Monate mit Erasmus+ an einer anderen Uni. Die im Ausland erbrachten Studienleistungen (Creditpoints) werden im Rahmen des ECTS (European Credits Transfer System) für den Bachelor- oder Masterabschluss mit angerechnet, vorausgesetzt der Student besteht seine Prüfungen im Ausland.

Alle Partneruniversitäten der eigenen Universität stehen für einen Auslandsaufenthalt zur Verfügung. Allerdings werden nicht immer alle Fachrichtungen an allen Einrichtungen angeboten. Derzeit nehmen 28 Mitgliedsstaaten der EU, die EWR-Staaten Island, Liechtenstein und Norwegen sowie die Türkei am Erasmus-Programm teil. Die Schweiz ist seit 2014 nicht mehr im Erasmus-Programm.

Ein Mädchen, das den Computer betrachtet

Erasmus+ erfordert frühe Planung

Die Bewerbung

Die Bewerbung auf einen Platz im Erasmus-Programm erfolgt direkt über die eigene Hochschule. Das internationale Studienbüro ist daher der erste Ansprechpartner. Wenn man ein Auslandssemester im zweiten Studienjahr plant, sollte man sofort zu Beginn des Studiums die notwendigen Schritte einleiten. Die Bewerbung ist langwierig und die Plätze sind begrenzt, daher sollte man so früh wie möglich, das heißt 12 bis 18 Monate vor dem Auslandssemester, mit der Planung beginnen. Oft bieten die Hochschulen auch verschiedene Informationsveranstaltungen zum Thema Erasmus+. Wenn es mehr Bewerber für das Erasmus-Programm als vorgesehene Plätze gibt, werden die Hochschulen die geeignetsten Bewerber auswählen. Dabei zählen der Notendurchschnitt und die Fremdsprachenkenntnisse, aber auch persönliches Engagement in und außerhalb der Hochschule. Empfehlungsschreiben von zwei Professoren sollten der Bewerbung beigefügt werden. Wenn man sich für einen Platz im Erasmus-Programm bewirbt, sind folgende Dokumente erforderlich:

-Tabellarischer Lebenslauf

-Motivationsschreiben

-Zeugniskopien der ersten beiden Semester oder des ersten Universitätsjahres bzw. des Bachelorabschlusses bei einer Bewerbung im Master

-Formular für den Sprachnachweis; außer wenn man eine Fremdsprache studiert, werden diese mit dem Abiturzeugnis nachgewiesen. Einige Partneruniversitäten verlangen auch den TOEFL-Test, das Cambridge-Zertifikat oder andere Zertifikate (DELF/DALF für Französisch usw.). Im Masterstudiengang werden oft fortgeschrittenere Sprachkenntnisse verlangt, da die Studieninhalte komplexer werden. Für Studenten, die Sport oder eine Naturwissenschaft studieren sind ausgezeichnete Sprachkenntnisse jedoch weniger bedeutend als für Geisteswissenschaftler. Je nach Universität und Studienfach werden daher verschiedene Anforderungen gestellt.

Verläuft die Bewerbung erfolgreich, müssen anschließend die für das Auslandssemester geplanten Kurse an der Partneruniversität in ein Formular eingetragen werden. Das sogenannte Learning Agreement wird vom Kandidaten und einem Vertreter der Heimat-Uni unterzeichnet und dann dem internationalen Studienbüro überreicht. Das Learning Agreement ist ein rechtlich bindender Vertrag und muss bei der Ankunft von der Gastuniversität ebenfalls unterzeichnet werden.

Leute reden

Die Bewerbung erfolgt über die Hochschule

Mobilitätszuschuss

Die Förderung im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums umfasst einen Reisekostenzuschuss und einen monatlichen Mobilitätszuschuss. Die Höhe des Mobilitätszuschusses richtet sich nach dem Zielland und liegt zwischen 150 Euro und 500 Euro. Für ein Semester wird 4 Monate lang der Mobilitätszuschuss gezahlt, für zwei Semester erhalten Studenten 8 Monate lang die Förderung. Studenten mit Kindern und Studenten mit einer Behinderung erhalten zusätzliche finanzielle Unterstützung. Die Auszahlung des Stipendiums erfolgt oft in zwei oder drei Schritten, wenn notwendige Formulare von der Partneruniversität unterzeichnet und an die Heimat-Uni übermittelt worden sind (insbesondere das Learning Agreement). Die letzte Überweisung erfolgt meistens erst nach der Rückkehr, wenn die im Ausland erbrachten Studienleistungen vorliegen. In der Zwischenzeit benötigt man also ausreichend finanzielle Mittel aus einer anderen Quelle. Ausländische Studenten zahlen mit dem Erasmus-Programm außerdem keine Studiengebühren in Ländern wie Großbritannien oder den Niederlanden. Nur der Semesterbeitrag an der heimischen Universität ist zu entrichten. In Großbritannien, wo die Studiengebühren bis zu 10.000 Euro pro Jahr betragen können, ist das ein unschätzbarer Vorteil. Aufgrund des bevorstehenden EU-Austritts Großbritanniens sind aber in den kommenden Jahren Änderungen für ausländische Studenten zu erwarten.

Universitätsgelände

Britische Universitäten sind dank Erasmus+ erschwinglich

Das Erasmus-Stipendium wird darüber hinaus für im Studium vorgesehene Praktika vergeben, wenn diese im europäischen Ausland stattfinden. Auch Berufsschüler und Auszubildende können an dem Programm teilnehmen. Ein Praktikum im Rahmen eines Hochschulstudiums muss mindestens 2 Monate lang sein und in Vollzeit geleistet werden. Bei der Bewerbung muss in diesem Fall zusätzlich der unterschriebene Praktikumsvertrag und eine Vereinbarung (Learning Agreement for Traineeships) eingereicht werden. Das ist auch noch möglich, wenn das Praktikum innerhalb von 12 Monaten nach dem Uni-Abschluss geleistet wird. Die Bewerbung auf die Erasmus-Förderung muss im Rahmen der sogenannten Graduiertenförderung allerdings solange man noch in der Hochschule oder Universität immatrikuliert ist erfolgen. Der finanzielle Zuschuss für das Praktikum erfolgt unabhängig von der Vergütung des Praktikums und muss nicht zurückgezahlt werden, genau wie alle anderen Erasmus-Förderungen.