Wie finanziere ich mein Auslandssemester?

Für viele Studenten sind die hohen Kosten die größte Hürde bei der Planung eines Auslandsstudiums. Dabei hat sich dieser Prozess in den vergangenen Jahrzehnten stark demokratisiert und insbesondere das Erasmus-Programm hat mit seinen finanziellen Beihilfen bewirkt, dass immer mehr Studenten ein Auslandssemester absolvieren. Auslands-Bafög und Stipendien stellen eine weitere Finanzierungsmöglichkeit dar. Natürlich kann man auch ganz einfach z.B. durch einen Nebenjob vor dem Aufenthalt eine größere Summe ansparen und auf diese Weise für unvorhergesehene Ausgaben etwas zurücklegen. Es ist durchaus hilfreich, schon längere Zeit vor dem Auslandssemester Geld dafür zu sparen. Mit der Studienberatung und den Eltern sollten weitere Finanzierungsmöglichkeiten besprochen werden. Viele Studenten finanzieren ihren Aufenthalt aus mehreren Quellen, so ist es beispielsweise möglich, das Erasmus-Stipendium und Auslands-BAFöG gleichzeitig zu beziehen. Kombiniert ergeben diese Förderungen bis zu 1035 Euro im Monat. Auch die Ausübung eines Nebenjobs ist während eines Auslandssemesters denkbar und innerhalb der EU ist dafür keine spezielle Arbeitserlaubnis erforderlich. Jedoch sollte man bedenken, dass das Studium und eine gleichzeitige Erwerbstätigkeit in einem fremden Land eine erhebliche Doppelbelastung darstellen können. Darüber hinaus sind die Aussichten auf einen Job für ausländische Studenten in vielen Fällen eher begrenzt. Man sollte sich auf diese Einkommensquelle also nicht verlassen und die Finanzierung des Auslandssemesters mit anderen Mitteln sicherstellen.

Geld

Finanzen können Kopfzerbrechen bereiten

Erasmus-Stipendium und DAAD

Das Erasmus-Programm ist der einfachste Weg, um ein anerkanntes Studienprogramm an einer ausländischen Hochschule zu absolvieren und dabei eine finanzielle Förderung, den sogenannten Mobilitätszuschuss, zu erhalten. Das Erasmus-Programm ist eine Initiative der Europäischen Union und wird mit jährlich 2,5 Milliarden Euro gefördert. Das Programm wurde 1987 ins Leben gerufen und jedes Jahr nutzen es etwa 35.000 deutsche Studenten für einen Aufenthalt im EU-Ausland. Die Höhe der Förderung ist vom Zielland abhängig und beträgt 150 Euro bis 500 Euro monatlich. Der durchschnittliche Förderbetrag liegt bei 325 Euro und wird direkt von der Hochschule ausgezahlt. Die Förderungsdauer beträgt 4 Monate pro Semester; das heißt, wenn man zwei Semester lang im EU-Ausland studiert, erhält man dafür 8 Monate lang den Erasmus-Mobilitätszuschuss. Darüber hinaus zahlen Teilnehmer des Erasmus-Programms keinerlei Studiengebühren.

Studenten, die ihren Aufenthalt mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst organisieren, sind ebenfalls von Studiengebühren befreit, was vor allem in den anglophonen Ländern ein wichtiger Vorteil ist. Der DAAD fördert Auslandsaufenthalte außerhalb der EU in Ländern, die nicht am Erasmus-Programm teilnehmen. Die Höhe der DAAD-Stipendien variiert je nach Land und Programm. Teilstipendien liegen etwa in der gleichen Höhe wie die Erasmus-Förderung, während Vollstipendien 700 Euro bis 900 Euro im Monat betragen (bis zu 1474 Euro für Doktoranden). Außerdem beinhaltet ein DAAD-Stipendium einen Reisekostenzuschuss und Zuschüsse für die Auslandskranken-versicherung.

Erasmus

Erasmus

Auslands-BAFöG

Bildungsaufenthalte im Ausland werden staatlich durch das Auslands- BAFöG gefördert. Wer schon im Inland BAFöG erhält, wird garantiert auch während eines Auslandsaufenthalts gefördert. Die Höhe der Leistung fällt dabei etwas größer aus. Sobald man eine Zusage für das Auslandssemester erhalten hat, sollte man beim Auslands-BAFöG-Amt einen Antrag stellen und die notwendigen Schritte einleiten. Das Auslands-BAFöG umfasst eine Reisekostenpauschale und für einige Länder außerhalb der EU wird ein Zuschlag von bis zu 255 Euro im Monat gewährt. Außerdem deckt das Auslands-BAFöG auch eventuell anfallende Studiengebühren im Ausland für ein Jahr und gewährt einen Zuschuss für die Auslandskrankenversicherung. Das Beste am Auslands- BAFöG ist jedoch, dass auch Studenten, die im Inland nicht als BAFöG-berechtigt gelten, unter Umständen die Förderung beziehen können. Daher sollte man frühzeitig einen Antrag auf Auslands-BAFöG stellen und prüfen lassen, ob ein Anspruch auf Förderung besteht. Bei der Antragsstellung müssen auch hier Einkommensnachweise der Eltern oder des Ehegatten eingereicht werden. Das Auslands-BAFöG wird wie das normale BAFöG zur Hälfte als Zuschuss und zur anderen Hälfte als zinsfreies Darlehen gewährt.

Universitätsstipendien, Regierungsstipendien und Stipendien unabhängiger Stiftungen

Stipendien zur Begabtenförderung sind eine weitere Finanzierungsmöglichkeit. Aufgrund des geringeren Bekanntheitsgrads wird diese Art der Förderung aber oft übersehen. Auf ein Stipendium muss man sich individuell bei dessen Träger bewerben. Auch Professoren und Hochschulgremien können ihren Studenten eine Empfehlung für ein Stipendium aussprechen. In Deutschland existieren derzeit 13 Begabtenförderungswerke, die meistens konfessionell oder an eine politische Partei gebunden sind. Entgegen weitläufiger Annahmen werden sie nicht nur Elitestudenten gewährt, oft wird aber ein persönliches Engagement in einem für den Träger relevanten Bereich vorausgesetzt.

Einzelne Universitäten bieten in Zusammenarbeit mit ausländischen Konsulaten auch Regierungsstipendien für ein bestimmtes Zielland an. Diese Angebote richten sich oft fachübergreifend an alle Studenten der Universität.

Universitäten und staatliche Organismen fördern gerne gezielt Forschungsprojekte, indem sie Doktoranden und Postdoktoranden einen Forschungsaufenthalt im Ausland finanzieren. Darüber hinaus gibt es auch unternehmensnahe Stiftungen wie die Daimler und Benz Stiftung, die Forschungsstipendien vergeben.

Das Fulbright-Programm ermöglicht internationalen Studenten einen Studienaufenthalt an einer amerikanischen Hochschule. Jedes Jahr vergibt die Fulbright-Kommission etwa 70 Stipendien an deutsche Studenten.

Generell wird es in den fortgeschrittenen Studienphasen immer einfacher, ein Stipendium für einen Auslandsaufenthalt zu bekommen, in den gehobenen Stufen der akademischen Ausbildung gibt es weniger Kandidaten und deren Fachkenntnisse und Forschungsinteressen gelten als besonders förderungswürdig.

Studenten

Stipendien sind eine Finanzierungsmöglichkeit

Studienkredit

Ein Studienkredit stellt oft die allerletzte Finanzierungs-möglichkeit für ein Auslandssemester dar, schließlich muss ein Studienkredit einschließlich der variablen Zinsen zurückgezahlt werden. Voraussetzung für einen Studienkredit ist die Immatrikulation an einer deutschen Hochschule im Erst- oder Zweitstudium. Der mit Abstand bekannteste Anbieter für einen Studienkredit ist die KfW-Förderbank. Die Höhe der monatlichen Auszahlung wird von den Studenten selbst festgelegt und beläuft sich auf 100 Euro bis maximal 650 Euro. Der Studienkredit muss erst nach einer Karenzphase von 18 bis 23 Monaten zurückgezahlt werden und die Tilgung kann ausgesetzt werden, wenn das monatliche Nettoeinkommen unter 1045 Euro liegt. Für Studenten, die während ihrer gesamten Studienzeit einen Studienkredit beziehen, beträgt der maximale Förderbetrag 54.600 Euro. Der KfW-Studienkredit wird immer pro Semester gewährt, man kann ihn also ausschließlich für ein oder zwei Auslandssemester beantragen.

Für ein Auslandssemester innerhalb Europas kann man außerdem den Bildungskredit des Bundes in Anspruch nehmen. Dieser wird in der fortgeschrittenen Studienphase gewährt und ist wie der KfW-Studienkredit einkommensunabhängig. Die monatliche Förderung beträgt 300 Euro und der Zinssatz ist besonders günstig. Die Rück-zahlungsphase beginnt erst 4 Jahre nach Ende der Auszahlungsphase.

Wenn der geplante Auslandsaufenthalt nicht anders finanziert werden kann und er beispielsweise für die akademische Laufbahn sehr bedeutungsvoll ist, dann kann man durchaus auch einen Studienkredit zur Finanzierung in Betracht ziehen.

Münzen und eine Uhr

Studienkredit

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